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10 grenzwertige Fragen an Christine Solf

Aktualisiert: 5. Mai





Dr. Christine Solf ist Soziologin, Unternehmensberaterin und Künstlerin und verbindet mit Leidenschaft Kontexte und Menschen. Sie arbeitet mit dem forschenden Blick der Soziologin, mit der Freude der Künstlerin am Experimentieren und mit Lösungsfokus, Innovationstrieb und Pragmatismus aus der Unternehmensberatung in allen drei Tätigkeitsfeldern. Sie kümmert sich häufig um die Frage, wie kommt das neue in die Welt?


Christine beeindruckt mich vor allem mit ihrer fast kindlichen Neugier. Sie ist wahnsinnig gebildet und intellektuell und gleichzeitig herrlich verspielt. Christine ist eine großartige Netzwerkerin, die Menschen verbindet und damit Grenzen überwindet. In ihrem Podcast  mit Christian Erhardt „Die Frage des Monats“ hat sie sich gleich zwei Monate lang mit Grenzen auseinandergesetzt. Ich hatte die Freude, als Gast dabei zu sein.


 

  1. Was ist deine erste Assoziation zum Begriff „Grenze“? Die ehemalige innerdeutsche Grenze an der entlang ich Fahrradfahren lernte.

  2. Wo oder wie erlebst du deine eigene Grenze/Grenzen in deinem Leben? Oft erlebe ich ihre Abwesenheit, im Sinn von: ich kann mich nicht so gut abgrenzen, nein sagen, ablehnen,... Und beneide dann Menschen, die schick Nein sagen und Prioritäten setzen können und damit sehr frei und autark wirken auf mich. Und kein Erleben ohne Ambivalenz: gleichzeitig genieße ich es sehr in Verbindung zu gehen, mitgerissen zu werden, eben nicht schon 1000 Schranken und Türen zu haben, sondern mehr eine durchlässige Membran zu sein. 

  3. Ich bin überzeugt davon, dass es nicht darum geht, Grenzen zu setzen, sondern sie erstmal selbst zu spüren und zu akzeptieren, um sie dann wahren zu können. Wo in deinem Körper spürst du es, wenn deine Grenze überschritten wird? Im Bauch. Dort, wo meine Oma ihre Magengeschwüre hatte. Wachsen die, wenn man keine Grenzen setzt und drum immer wieder das fühlt, frage ich mich manchmal. Und im Hals. Der wird enger.

  4. Ist dein Zugang zu deinen eigenen Grenzen intuitiv oder musstest du dir den erarbeiten? Beides. Ein manchmal schön nicht zugänglicher intuitiver Zugang ist da. Und ihm Raum zu geben erarbeite ich mir. Als Soziologin und Beauvoir-Fan kann ich an der Stelle gar nicht nicht auf die Sozialisation als Frau (auch noch auf dem katholischen Land) verweisen. Grenzen setzen steht da nicht auf dem Curriculum.

  5. Spielregeln können Sicherheit geben. Welche Spielregeln helfen dir, deine eigenen Grenzen zu wahren oder die anderer? Ich übe gerade um Erlaubnis fragen, weil ich das selbst so genieße, wenn jemand mich fragt “Darf ich das tun/fragen/interpretieren/…?” Weil ich mag glaube ich die Vorstellung lieber, dass Grenzen besser situativ auszuhandeln sind (jenseits der absoluten no gos) und nicht absolut durchdacht gesetzt und dann aufteufelkommraus eingehalten werden müssen. 

  6. Grenzüberschreitung im Job. Was fällt Dir dazu ein? Meine Top 5: nde an falschen Stellen und “Witze.”  Rollenzuschreibungen aufgrund von Vorurteilen. Machtdemonstration durch ostentatives Loben. Nicht nach Kapazität und Kompetenz fragen, sondern anordnen. Nicht nach Kapazität und Selbstverantwortung fragen, sondern quengeln.

  7. Ich wahre meine Grenze, indem ich... Nein sage. Nein danke. Oder nein, weil. Oder ich möchte nicht. Manchmal auch, indem ich die Situation verlasse. Das allerdings fühlt sich weniger klar und mutig an

  8. Ich wahre die Grenzen anderer, indem ich... Frage. Hypothesen statt Zuschreibungen formuliere. Nein akzeptiere.

  9. Wie reagierst du, wenn du mitbekommst, dass die Grenze anderer überschritten wird? Ich hoffe sehr, ich stelle dann die Frage, ob wir da nochmal genauer hinschauen können - auf die gefallenen Sätze, die angeordneten Tätigkeiten, die getanen Taten. Und manchmal sag ich auch nur sehr deutlich: Nein, so machen wir das nicht. (Tatsächlich hab ich das besser und öfters tun gelernt in den letzten Wochen)

  10. Wie sähe unsere Arbeitswelt aus, wenn es keine Grenzüberschreitungen mehr gäbe?

Harmonischer? Wobei ich glaube, die sind gar nicht ganz zu vermeiden. Weil nicht immer sehe ich die von anderen und die meine und ich fände es schade, wenn wir beständig nur noch wie auf rohen Eiern laufen würden. Ich wünsche mir eher, dass es auch mal möglich ist, eine Grenze mit Schwung zu überschreiten, das dann selbst festzustellen oder gespiegelt zu bekommen und dann damit umzugehen: reflektiert und vielleicht sogar mit Humor…


Hier findet Ihr Christine als Künstlerin

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